Der pH-Wert von Naturseife: Was wirklich dahintersteckt

Der pH-Wert von Naturseife: Was wirklich dahintersteckt

Naturseife ist basisch, deine Haut ist leicht sauer. Bedeutet das, dass Seife schlecht für die Haut ist? Ein sachlicher Blick auf pH-Werte, Säureschutzmantel und den Unterschied zwischen pH-neutral und pH-hautneutral.

Wie hoch ist der pH-Wert von Naturseife wirklich?

Chemisch betrachtet ist Naturseife das Reaktionsprodukt aus Ölen, Fetten und Lauge – und dieser Prozess (Verseifung) erzeugt zwangsläufig ein alkalisches Ergebnis. Wer eine saure oder neutrale Seife herstellen wollte, müsste auf eine andere Produktklasse ausweichen, etwa Syndets. Bei klassischer, kaltgesiedeter Naturseife liegt der Wert je nach Ölmischung und Verseifungsgrad meist zwischen 8 und 10.

Zur Einordnung: Reines Wasser gilt mit pH 7 als neutraler Referenzpunkt. Die menschliche Haut liegt deutlich darunter, im schwach sauren Bereich von etwa 4,5 bis 6,5 – dieser leicht saure Film ist Teil ihres natürlichen Schutzmechanismus. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich Naturseife klar auf der basischen Seite. Das ist keine Qualitätsfrage und auch kein Herstellungsfehler, sondern schlicht Chemie – und lässt sich durch keine Werbeaussage wegargumentieren.

Bedeutet das, Seife ist schlecht für die Haut?

Nein. Und hier wird es interessant.

Direkt nach dem Waschen lässt sich tatsächlich messen, dass die Hautoberfläche kurzzeitig weniger sauer wird. Entscheidend ist aber, was danach passiert: Gesunde Haut kompensiert diese Verschiebung selbstständig – meist ist der ursprüngliche Wert innerhalb weniger Stunden wiederhergestellt. Genau diese Fähigkeit zur Selbstregulation ist der eigentliche Sinn des Säureschutzmantels, nicht ein starrer Zustand, der bei jedem Kontakt mit Alkalischem dauerhaft kippt.

Problematisch wird es erst, wenn die Haut ohnehin schon vorgeschädigt ist, sehr häufig gewaschen wird oder ein Reinigungsprodukt zusätzlich Tenside enthält, die dem natürlichen Regenerationsprozess entgegenwirken. Der pH-Wert allein ist also nicht das ganze Bild.

Was tatsächlich zählt:

  • Wie oft du wäschst
  • Was zusätzlich zur Reinigung noch pflegt
  • Wie gut sich deine Haut regenerieren kann

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pH-neutral vs. pH-hautneutral – der Unterschied, den kaum jemand kennt

Auf vielen Duschgel- und Shampoo-Flaschen steht "pH-neutral". Klingt gut, ist aber ungenau formuliert:

  • pH-neutral orientiert sich am Nullpunkt der Skala, also an Wasser mit pH 7 – nicht an der Haut.
  • pH-hautneutral orientiert sich tatsächlich an der Haut selbst, also an einem Wert um 5,5.

Wer die beiden Begriffe für austauschbar hält, übersieht rund 1,5 Stufen Unterschied – auf einer logarithmischen Skala ein erheblicher Sprung, kein Detail am Rande. Die meisten Reinigungsprodukte im Drogeriemarkt nennen den genauen Wert gar nicht – nur dann, wenn er als Verkaufsargument taugt.

Ein Punkt, der bei diesem Vergleich oft untergeht: Feste Waschstücke, die mit "pH-hautneutral" werben, sind meist keine Seife im eigentlichen Sinn, sondern Syndets – feste Reinigungsstücke auf Tensidbasis. Die enthalten häufig Substanzen wie Natrium-Cocoylisethionat oder Cocamidopropylbetain, oft in Kombination mit Palmölderivaten. Das ist nicht automatisch schlecht, aber "pH-neutral" heißt nicht automatisch "unbedenklich" – lohnt sich, genauer hinzuschauen statt sich auf ein Wort auf der Verpackung zu verlassen.

Trocknet Naturseife die Haut aus?

Kommt darauf an, welche Seife – mit dem pH-Wert hat es aber wenig zu tun. Entscheidend sind Glycerin und Überfettung: Beides bleibt in kaltgesiedeter Naturseife erhalten, während industriell gefertigte Feinseife ihr Glycerin im Herstellungsprozess verliert. Warum die Haut nach dem Duschen überhaupt spannt und was wirklich dahintersteckt, liest du ausführlich hier: Haut zieht nach der Dusche? Das ist der wahre Grund.

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Was steckt wirklich drin?

Der ehrlichste Vergleich ist immer die Inhaltsstoffliste. Ein Beispiel aus dem NØUR-Sortiment, in verständlicher und offizieller Form:

Verständlich: verseifte Öle aus Olive, Avocado und Kakaobutter, Lauge (destilliertes Wasser und Natriumhydroxid), ätherisches Öl zur Beduftung

INCI (offizielle Deklaration): Olea Europaea Fruit Oil, Aqua, Persea Gratissima Oil, Theobroma Cacao Seed Butter, Sodium Hydroxide, Parfum (ätherisches Öl)

Kurze Liste, nachvollziehbare Bestandteile. Bei vielen festen Shampoos oder Duschgel-Alternativen liest sich das anders – zusätzliche Tenside, Verdickungsmittel, Konservierung, teils in Kombination mit Palmölderivaten. Auch das ist nicht per se schädlich, aber eben eine andere Kategorie von Produkt als Naturseife. Warum bei NØUR ausschließlich pflanzliche Öle in die Rezeptur gehen, steht hier: Vegane Naturseife: Was sie wirklich ausmacht.

Warum weniger waschen oft mehr Pflege bedeutet

Ein Nebeneffekt, der selten erwähnt wird: Wer auf Naturseife umsteigt, wäscht sich in der Regel automatisch etwas seltener und gründlicher – statt mehrmals täglich kurz "nachzuspülen". Das schont die Haut unabhängig vom verwendeten Produkt, denn zu häufiges Waschen belastet den Säureschutzmantel generell, ganz gleich mit welchem Reinigungsmittel.

Fazit

Naturseife ist basisch, das ist chemisch unvermeidbar und kein Makel. Der pH-Wert allein sagt aber wenig darüber aus, wie eine Seife auf deiner Haut wirkt. Entscheidend ist:

  1. Kann sich deine Haut nach dem Waschen selbst regulieren?
  2. Wie oft und wie aggressiv wird gewaschen?
  3. Was bleibt außer Reinigung noch in der Seife? (Bei kaltgesiedeter Naturseife: Glycerin und Überfettung.)

Wer diese drei Punkte im Blick hat, kommt mit Naturseife in aller Regel besser zurecht als der Mythos vom "zerstörten Säureschutzmantel" glauben macht. Am Ende hilft aber vor allem eines: ausprobieren und beobachten, wie die eigene Haut reagiert.

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Häufig gestellte Fragen zum Umstieg auf Naturseife

Wie lange dauert die Umgewöhnung von Duschgel auf Naturseife?
Für die Haut rechnen die meisten Menschen mit ein bis vier Wochen, bis sich das Hautgefühl spürbar verändert – so lange braucht die Haut in etwa, um sich an den fehlenden Silikon- und Tensidfilm alter Produkte zu gewöhnen. Bei den Haaren dauert die Umstellung meist länger, oft drei bis sechs Wochen, abhängig von Haarstruktur und bisher verwendeten Produkten – mehr dazu im Ratgeber Umstieg auf Haarseife.

Ist Naturseife auch für empfindliche Haut geeignet?
Durch Glycerin und Überfettung ist Naturseife grundsätzlich mild und rückfettend. Bei stark empfindlicher oder gereizter Haut empfiehlt sich eine duftstofffreie Variante – bei bestehenden Hauterkrankungen oder Unsicherheit ist die Rücksprache mit einer Hautärztin oder einem Hautarzt sinnvoller als jeder Blogartikel.

Ist Naturseife für Babys und Kinder geeignet?
Milde, stark überfettete Naturseife wird von vielen Familien auch bei älteren Kindern eingesetzt. Bei Säuglingen unter sechs Monaten wird in der Regel empfohlen, ausschließlich mit klarem Wasser zu waschen – hier lohnt sich vorab ein Gespräch mit dem Kinderarzt oder der Kinderärztin.

Warum schäumt Naturseife manchmal schlechter als Duschgel?

Das liegt oft tatsächlich an der Rezeptur – und zwar bewusst. Wie eine Seife schäumt, entscheidet sich über die Ölmischung: Ein hoher Olivenölanteil ergibt einen feinen, cremigen Schaum, der sich langsam aufbaut. Kokosöl sorgt für den großen, blasigen Schaum, den die meisten aus der Werbung kennen. Auch eine hohe Überfettung dämpft den Schaum, weil das pflegende Öl ihn zurückhält. Weniger Schaum bedeutet also nicht weniger Reinigung, sondern eine andere Rezeptur – meist eine hautfreundlichere.

Dazu kommen Gründe, die gar nicht an der Seife liegen: Kalkhaltiges Wasser bindet einen Teil des Schaums. Rückstände von Silikonen und synthetischen Tensiden aus vorherigen Produkten liegen noch auf Haut und Haar. Und eine frisch gesiedete Seife schäumt weniger als eine gut durchgereifte.

Ein fairer Vergleich ist Duschgel ohnehin nicht: Synthetische Tenside sind auf Schaum hin optimiert, weil Schaum sich verkauft – ein Qualitätsmerkmal ist er nicht. Mit etwas mehr Wasser, einem Seifensäckchen und ein wenig Geduld in der Umstellungsphase legt sich das in der Regel von selbst.


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